Skateboarding vs. Medienzirkus

  • Boardmag
  • 14.07.2009


Skateboarding vs. Medienzirkus


Vor drei Wochen bekam ich einen Anruf von Marcus. Er ist freier Kameramann bei der Firma, in der ich die Ausbildung mache und wir waren in den letzten Monaten ein paar Mal zusammen für RTL drehen. Marcus hatte von einer anderen Produktionsfirma den Auftrag bekommen, mit der neuen Sony HDW 790 P HDCAM  hochwertige Full HD Aufnahmen von bewegten Objekten zu machen. Mit diesen Bildern wollte der Auftraggeber neue LCD- Monitore auf Bewegungsunschärfe und farbgetreue Darstellung von HDV Material testen. 

Von unseren gemeinsamen Drehs wusste Marcus, dass ich Skateboard fahre und so schlug er Jürgen, der bei diesem Dreh Regie machte, vor, ein paar Aufnahmen im Skatepark zu machen. Als Location einigten wir uns auf den neuen Streetplaza am Pragfriedhof in Stuttgart. Weil ich inzwischen weiß, wie beim Fernsehen gearbeitet wird, konnte ich mir schon vorstellen wie der Dreh ablaufen würde. Es war nicht mit einer Film- Session unter Skatern zu vergleichen, bei der man dann mal 1-2 Stunden einen einzigen Trick versucht. Das erste Set war der Boardslide am Down-Rail. Ich machte über 25 Mal den Trick, weil, wie beim Fernsehen üblich, nach Schema F vorgegangen wurde: Totale, Halbtotale, Kopf-Fuß, Close, Detail, und dann mal noch was mit Mitschwenken. Andere Skater, die mit diesem Arbeitsstil nicht vertraut sind, wären vermutlich nach dem zehnten Boardslide durchgedreht und hätten gefragt, was das alles soll und ob man nicht mal einen schweren Trick filmen könnte. Ich genoss es einfach ohne große Anstrengung ein bisschen durch den Park zu cruisen und natürlich musste ich auch hin und wieder an die Vergütung denken, die für mich als Azubi einem kleinen Lottogewinn gleichkam.

Vor dem Dreh hatte ich schon die Befürchtung, dass am Ende diese typischen schlechten Eurosport - Fernsehbilder herauskommen, bei denen Rails, Ledges und Skater abgeschnitten sind. Jeder von euch ( Skatern ) hat sich sicher schon mal bei so einer Fernsehübertragung von einem Contest oder Ähnlichem über schlechte Kameramänner, die von der Materie Skateboarding nicht den geringsten Schimmer haben und irgendwelche close-Aufnahmen von Oberköpern während den Tricks machen, aufgeregt. Ich war über einen relativ guten Blick, den Marcus bereits fürs Skaten hatte, positiv überrascht und er holte sich immer wieder meine Meinung zu verschiedenen Einstellungen ein. Der Dreh lief dadurch auf jeden Fall sehr harmonisch ab und es konnten gute Bilder gemacht werden mit denen auch ich, als derjenige, der nicht nur den Blick für die Testbilder der LCD-Monitore, sondern auch für mein Rollbrett hatte, zufrieden sein konnte. Dennoch ist denke ich für jeden der typische Fernsehstil zu erkennen und man sieht, dass hier nicht jemand gefilmt hat, der seit 10 Jahren Skatevideos schaut. Aber das war für die Anforderungen, die gestellt waren auch nicht notwendig und ich finde es sind schöne Aufnahmen geworden, die einfach einen anderen Touch haben, als das, was man in der Skateboardwelt gewohnt ist.

Die Bilder wurden für den Auftraggeber ohne Atmo und Musik relativ stumpf aneinander geschnitten. Es sollten ja eben auch nur Testbilder sein. Letzte Woche fuhr ich dann mit einer Festplatte nach Esslingen zu der Produktionsfirma und holte mir bei Jürgen die Footage ab. 5 Minuten HDV Material = 45 GB. Das sind Datenmengen, die einem im Moment noch unbegreiflich hoch erscheinen. Umso erfreuter war ich, dass mein neuer Schnitt-Rechner, den ich mir grade gekauft hatte, mit der Datenmenge beim Schnibbeln keine Probleme hatte. Das Ergebnis sehr ihr hier:

{youtube}n5VME-SkdYU{/youtube}

Ich bedanke mich bei Jürgen Zielbauer und Marcus Maier von Storz Medienfabrik für einen schönen Nachmittag im Skatepark und dafür, dass sie meine anfängliche Vermutung, dass im Medienzirkus verdammt viele nette und umgängliche Leute unterwegs sind, wiedermal bestätigt haben.

 

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